Dossier: Gaspreise

Diese Übersicht zeichnet die Entwicklung der Gaspreise der vergangenen Jahre nach und erklärt, wie sich der Gaspreis zusammensetzt. 

Gaspreisentwicklung: Was kostet Gas im Schnitt für Endkunden?

Haushalte in Einfamilienhäusern (EFH) mit einem Jahresverbrauch von 20.000 kWh bezahlten im Jahr 2024 für Erdgas durchschnittlich 11,02 ct/kWh. Gegenüber 2023 ist der durchschnittliche Gaspreis pro Kilowattstunde für Einfamilienhäuser um 21 Prozent gesunken.

Haushalte in Mehrfamilienhäusern (MFH) mit einem Jahresverbrauch von 80.000 kWh bezahlten im Jahr 2024 für Erdgas durchschnittlich 10,50 ct/kWh. Gegenüber 2023 ist der durchschnittliche Gaspreis pro Kilowattstunde für Mehrfamilienhäuser um 23 Prozent gesunken.

Gaspreisentwicklung in Deutschland seit 2022

Die Großhandelspreise für Gas sind seit dem Höhepunkt der Energiekrise im Jahr 2022 zwar deutlich zurückgegangen, bleiben aber weiterhin etwa doppelt so hoch wie vor der Krise. Dies liegt unter anderem an geopolitischen Unsicherheiten und dem daraus folgende Aufbau alternativer Bezugsquellen.

Aufgrund neuer Abschreibungsmöglichkeiten der Gasnetzinfrastruktur für Netzbetreiber sind die durchschnittlichen Gasnetzentgelte für das Jahr 2025 gestiegen. Auch im Jahr 2026 wird mit einer Erhöhung zu rechnen sein.

Der kontinuierliche Anstieg des CO2-Preises macht Gas teurer. Auch in den kommenden Jahren ist mit einem Anstieg des CO2-Preises zu rechnen.

Wie setzt sich der Gaspreis zusammen?

Im Jahr 2024 machen Steuern und Abgaben durchschnittlich 28 Prozent des Gaspreises bei einem Jahresverbrauch von 20.000 kWh (Einfamilienhaus) und 29 Prozent bei 80.000 kWh (Mehrfamilienhaus) aus. Seit dem 1. Januar 2025 beträgt der CO2-Preis 55 € pro Tonne CO2, was zusätzliche Kosten für den Gasverbrauch bedeutet.

Die Kosten für den Betrieb und die Instandhaltung der Gasnetze werden über Netzentgelte auf die Verbraucher umgelegt. Die Bundesnetzagentur und die Landesregulierungsbehörden überwachen diese Entgelte, um faire und angemessene Preise sicherzustellen. Im Jahr 2024 lag der Anteil der Netzentgelte am Gaspreis bei 18 Prozent für Einfamilienhäuser und 16 Prozent für Mehrfamilienhäuser. Zusätzlich fallen Gebühren für Messung, Messstellenbetrieb und Abrechnung an, die zu einem einheitlichen Messstellenbetriebsentgelt zusammengefasst werden.

Dieser Bereich umfasst die Kosten für den Einkauf und Verkauf von Gas, die von den Gasversorgern beeinflusst werden können. 2024 machten diese Kosten 54 Prozent des Gaspreises für Einfamilienhäuser und 55 Prozent für Mehrfamilienhäuser aus.

 

Wo kommt Erdgas überall zum Einsatz? 

Der Energieträger Gas wird in Privathaushalten zum Beispiel zum Heizen oder Kochen eingesetzt. Erdgas findet Verwendung in Gewerbe und Industrie, etwa zur Erzeugung von Prozesswärme, der Befeuerung von Industrieöfen zur Herstellung von Metall, Glas oder Keramik sowie als Rohstoff in der chemischen Industrie. Mit Gas lässt sich sowohl Strom- als auch Wärme und Kälte erzeugen. Das meiste Gas wird in Deutschland in der Industrie und in Privathaushalten verbraucht.

Spot- und Terminmarkt: Wie wird Gas gehandelt?

Hier wird Gas gehandelt, das kurzfristig geliefert wird – in der Regel einen bis zwei Tage im Voraus. Versorger nutzen den Spotmarkt, um kurzfristige Schwankungen zwischen dem vorhergesagten und dem tatsächlichen Verbrauch auszugleichen (für die nächsten 24 bis 48 Stunden).

Hier können Gaslieferungen bis zu sechs Jahre im Voraus vertraglich gesichert werden. Versorger decken hier den Großteil ihres erwarteten Bedarfs ein, um sich gegen Preisschwankungen abzusichern. Da Versorger hauptsächlich auf den Terminmarkt setzen, ist dessen Preisentwicklung entscheidend für die Beschaffungskosten.

Warum steigen oder fallen die Gaspreise für Endkunden nicht sofort?

Die meisten Energieversorger verfolgen eine langfristige Beschaffungsstrategie, um starke Preisschwankungen abzufedern. Das bedeutet:

  • Steigende Börsenpreise werden nicht sofort und nicht in vollem Umfang an die Endkunden weitergegeben.
  • Sinkende Großhandelspreise führen allerdings nicht unmittelbar zu niedrigeren Endkundenpreisen.

Dadurch werden Verbraucher vor extremen Preissprüngen – wie zum Beispiel in der Energiekrise in 2022 - geschützt. Gleichzeitig bedeutet dies aber auch, dass Preissenkungen erst zeitverzögert bei den Haushalten ankommen.

Wie erklären sich regionale Unterschiede beim Gaspreis? 

Die Unterschiede bei den Gaspreisen in verschiedenen Regionen liegen hauptsächlich an den variierenden Netzentgelten. Bei den Netzentgelten können spezifische Faktoren wie Landschaftsstruktur, Bevölkerungsdichte und Investitionsbedarf für Netzausbau und Instandhaltung eine Rolle spielen.

Für die Festsetzung der Netzentgelte gibt es ein klares Regelwerk, das vor allem den Kapitaleinsatz der Netzbetreiber in den Blick nimmt. Die Bundesnetzagentur beaufsichtigt die Einhaltung dieser Regeln.

Wie viele Gasversorger gibt es in Deutschland? 

In Deutschland gibt es über 1.000 Gaslieferanten, die Haushaltskunden versorgen. In fast allen Gasnetzgebieten stehen den Verbrauchern mindestens 20 Anbieter zur Auswahl, in 95 Prozent der Regionen sogar mehr als 50. Der deutsche Energiemarkt zeichnet sich durch eine hohe Anzahl an Anbietern und intensiven Wettbewerb aus. Die unterschiedlichen Preise der Versorger sind ein Zeichen für diesen funktionierenden Markt. Da Tarife und Konditionen transparent und leicht zugänglich sind, können Verbraucher den für sie optimalen Anbieter wählen. Voraussetzung dafür ist, dass sie direkt Gas etwa fürs Heizen oder Kochen beziehen. In Mehrfamilienhäusern ist das in bestimmten Konstellationen nicht immer möglich.

Was ist ein Gas-Grundversorger? 

Der Grundversorger stellt sicher, dass Kunden zu jedem Zeitpunkt mit Gas beliefert werden können. Das Energieunternehmen, das in einem bestimmten Netzgebiet die meisten Haushaltskunden mit Gas beliefert, wird zum Gas-Grundversorger. Er wird gemäß dem Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) alle drei Jahre von dem örtlichen Netzbetreiber ermittelt.

Aufgaben und Merkmale eines Grundversorgers: 

Der Grundversorger stellt sicher, dass jeder Haushalt im Netzgebiet mit Gas versorgt werden kann. Dies geschieht über den sogenannten Grundversorgungstarif, der ohne langfristige Vertragsbindung angeboten wird.

Wer keinen speziellen Gasvertrag mit einem anderen Anbieter abschließt, aber Gas bezieht, wird automatisch vom Grundversorger beliefert.

Wenn ein anderer Gaslieferant ausfällt (etwa durch Insolvenz), übernimmt der Grundversorger automatisch die Ersatzversorgung für bis zu drei Monate, bis der Kunde einen neuen Anbieter wählt.

Kunden können Gasanbieter wechseln

Kunden sind nicht an den Grundversorger gebunden und können mit kurzer Kündigungsfrist zu einem anderen Anbieter wechseln. Der Gasmarkt in Deutschland ist liberalisiert, sodass Verbraucher aus vielen verschiedenen Versorgern wählen können. Neben Tarifen der Grundversorgung können Verbraucher zwischen zahlreichen Wettbewerbstarifen wählen. Diese zeichnen sich meist durch einen garantierten Preis für eine bestimmte Laufzeit aus, häufig einem Jahr. Ökogas- oder Biogastarife enthalten einen Anteil an Biogas oder werden durch CO2-Kompensation klimaneutral gestellt.

Verbraucher-Tipps: Wie kann ich Gas sparen?

Verbraucher, die mit Gas heizen, können durch das richtige Verhalten ihre Gaskosten senken.

Um ein konstantes Frischluftniveau in Räumen zu erreichen und die bereits vorhandene Raumwärme optimal zu nutzen, können Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung eingesetzt werden. Während des Luftwechsels übertragen solche Anlagen die Wärme aus der Abluft auf einen Wärmetauscher und von dort auf die einströmende Frischluft. Dadurch wird die Heizung entlastet. Mehr dazu auf wohnungslueftung-plus.de.

Bei Heizungsrohren können Verbraucher mit einer ordentlichen Dämmung viel Geld sparen. Wenn Rohre der Heizungsanlage durch unbeheizte Räume wie etwa den Keller verlaufen, müssen sie gedämmt sein. So steht es im Gebäudeenergiegesetz. In der Realität sind aber viele Rohre trotzdem ungedämmt und erwärmen Räume, die gar nicht genutzt werden.

Wenn die Heizung und der Heizkreislauf nicht richtig eingestellt sind, wird viel Energie unnötig verschwendet. Deshalb wird eine regelmäßige Wartung vorgenommen von den Firmen, die die Heizungen eingebaut haben.

Mit dem hydraulischen Abgleich wird sichergestellt, dass alle Heizkörper in einem Haus gleichmäßig mit Wärme versorgt werden. Ohne den Abgleich kommt es zum Beispiel zu einer Unterversorgung von entfernt liegenden Heizkörpern oder einer Überversorgung von Heizkörpern, die nah an der Wärmequelle, also der Heizung, montiert sind. Wenn die Heizungsanlage hydraulisch nicht richtig eingestellt ist, verbraucht sie mehr Strom und Brennstoff als notwendig.

Auch die Umwälzpumpe sollte untersucht werden. Sie sorgt dafür, dass das erwärmte Wasser vom Heizkessel in die Rohre und zurück gepumpt wird. Wenn sie zu alt ist, verbraucht sie viel Strom für wenig Leistung und sollte gegen eine Modernere ausgetauscht werden.  Außerdem sollte die Fachkraft nachschauen, ob die sogenannte Heizkurve richtig eingestellt ist. Die Heizkurve managt das Verhältnis von Außen- und Vorlauftemperatur. Die Heizkurve legt für jede Außentemperatur eine passende Temperatur für das warme Wasser fest, das in die Heizkörper oder in die Fußbodenheizung geleitet wird.

Mehr Tipps zum Energiesparen finden Sie bei der BDEW-Initiative "Sparen was geht".

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